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Wenn Rechnen zum Abenteuer wird

Kinder lernen Mathematik im Rollenspiel (c) gamelab.berlin

Mathematik beginnt für viele Kinder oft nicht mit Neugier, sondern mit Druck, Frust und dem Gefühl, nicht mithalten zu können. Was aber, wenn Zahlen plötzlich nicht mehr nach Klassenarbeit klingen, sondern nach Abenteuer? Genau hier setzt ein DATi-Innovationsprint des gamelab.berlin in Partnerschaft mit dem Ulisses Spiele Verlag an: Das narrative Rollenspiel-System „LIRA“ soll Mathematikunterricht und Dyskalkulie Therapie neu denken. Im Zentrum steht der Homo Ludens, der spielende Mensch.

Seit über einem Jahrzehnt erforscht das gamelab.berlin an der Humboldt-Universität zu Berlin die Chancen und Risiken unseres „Zeitalters des Spiels“. Digitale und analoge Spiele werden dort nicht bloß als Unterhaltung verstanden, sondern als kulturelle, soziale und pädagogische Werkzeuge. Nun wurde ein Herzensprojekt von Manouchehr Shamsrizi, Co-Founder des gamelab.berlin, erfolgreich abgeschlossen. Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft entstand, gefördert durch das DATIpilot-Programm des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt, ein Prototyp für spielerisches Lernen.

Das Klassenzimmer als Quest

Das entwickelte System verbindet Mathematik, soziale Kompetenzen und narrative Rollenspielmechaniken. Kinder lösen Aufgaben nicht isoliert auf dem Papier, sondern übernehmen Rollen, treffen Entscheidungen und bestehen gemeinsam Herausforderungen. Rechnen wird so Teil einer Geschichte und damit zu etwas, das nicht mehr wie klassischer Unterricht wirkt.
Erste Zwischenergebnisse wurden nun in der Ringvorlesung „Gaming und Gesellschaft“ an der Universität Witten/Herdecke vorgestellt. Auf Einladung von Prof. Dr. Jan P. Ehlers präsentierte Shamsrizi die bisherigen Erkenntnisse des Konsortiums. Die zentrale Nachricht: Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler rechneten nicht nur motivierter, sondern auch erfolgreicher als im klassischen Mathematikunterricht.

Lernen, ohne dass es sich wie Lernen anfühlt

Die beteiligten Expertinnen und Experten vermuten genau darin den Schlüssel: Das Rollenspiel wurde von den Kindern nicht als herkömmlicher Unterricht wahrgenommen. Motivation und Erfolg stiegen, weil Aufgaben in eine Handlung eingebettet waren, die zu einer intrinsischen Motivation der Teilnehmenden führt. Zahlen wurden zu Werkzeugen, Rechenwege zu Strategien, Lösungen zu Erfolgserlebnissen. Der erfolgte Transfer durch die Anwendung von Mathematik zur Erarbeitung von Lösungen im Spiel verankert dabei zugleich Mathematik als Mittel zum Erfolg in der alternativen Realität des Spiels.

Gerade für Kinder mit besonderen Lernschwierigkeiten könnte dieser Ansatz bedeutsam sein. Etwa jedes dritte Kind in Deutschland leidet während der Grundschulzeit unter besonderen Lernschwierigkeiten, mindestens jedes achte erfüllt die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation für eine Lernstörung. Der Bedarf an wirksamen, motivierenden und personalisierbaren Interventionen ist entsprechend groß.

Warum Rollenspiel?

Pen-&-Paper-Rollenspiele wie „Dungeons & Dragons“ oder „Das Schwarze Auge“ zeigen seit Jahrzehnten, wie stark Geschichten, Regeln, Kooperation und Fantasie Menschen motivieren können. Dieses Potenzial will das Konsortium für Bildung und Lerntherapie nutzbar machen. Mit der Ulisses Spiele GmbH, dem wichtigsten deutschsprachigen Rollenspiel-Verlag, ist dafür auch ein starker Partner aus der Branche beteiligt.
Nach den vielversprechenden Ergebnissen sollen nun gemeinsam mit der Humboldt-Innovation und der Humboldt-Innovation Akademie die nächsten Schritte in Richtung Bildungs- und Gesundheitsmarkt folgen. Der Prototyp zeigt: Mathematikunterricht kann anders aussehen. Vielleicht beginnt die Zukunft des Rechnens nicht mit der Frage „Was ist das Ergebnis?“, sondern mit: „Welches Abenteuer erlebst du als nächstes?“

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